Vollmacht für Otto von Guericke

Dokumente zur Familiengeschichte

Vollmacht der Familie Alemann an den Bürgermeister Otto von Guericke

Titelkupferstich der Leichenpredigt (Ausschnitt)
Das Dokument ist durch Eberhard von Alemann wie folgt überliefert:

„Nachdem wir Endesbenannte sämmtliche des Alemannschen Geschlechtes zu Magdeburg, Ge­brüder und Vettern vom Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg und Herrn Administratoris des Erzstiftes Magdeburg Fürstl. Durchl. unsern allerseits gnädigen Churfürsten, Fürsten und Herrn, wie auch von anderen Fürsten, Grafen und Vornehmen von Adel unterschiedliche Mannlehen zu empfangen haben, hingegen bei der jämmerlichen Eroberung und Ein­äscherung dieser Stadt unsere Briefe und Register mehrenteils, insonderheit auch der gesammte Lehnkasten, so beim damaligen Senior, unsern respektive Vatern und Vettern Herrn Dr. Jakob Alemann selig gestanden, zugleich mit verbrannt und von Handen gekommen, dahero und weil wir auch der Zeit mehreren theils unmündig und theils auch abwesend gewesen, also von sothanen unsern Lehnstücken, Lehnzinsen, Zehnten auch Lehnleuten wenig wissenschaft gehabt, bei sothaner ganzer Landes ruin aber die Lehn- und Zinsleute zugleich mit abgestorben, also daß wir umb so vill desto weniger dieselben und die Feldmarken, Aecker, Hufen und Höfe davon wir Zehnt, Pächte und Zins zu fordern, oder mit welche wir diejenigen so solche Stücke von uns vermöge gedachter unserer Lehnbriefe hin wiederumb zu Lehen haben und beleihen sollen, aber nicht alle wissen oder erkundigen können:

Als haben wir unumgänglich Ursache nehmen müssen, jemand die Sache aufzutragen, und unser sämmtlich wegen Vollmacht zu ertheilen.

Weil aber an diese unsere Lehngüter, Pachte, Zehnten und Zinsen, Herr Otto Gericke, Bürgermeister allhier, als unser hochgeehrter Oheim und Schwäger vermöge unserer Erbverträge und Wiederkaufverschreibungen am allermeisten mit interessiert auch er ohnedieß bishero allen möglichen Fleiß, Mühe und Unkosten, was zu Beibehaltung sothaner Lehnstücke möglich gewesen, angewendet.

So haben wir deßfalls niemand außer ihnen füglicher Vollmacht und Gewalt auftragen können, daß er nehmlich unser sämmtlich wegen in und bei allen vorfallenden Mängeln in diesen unserer Lehn und Lehnstücke halber, nehmen, wie sie wollen, wieder sothaner unserer Lehnbriefe Hinderung, Schaden, eintrag oder Streit erwecket und ein oder andere Lehnstücke in Ungewißheit gezogen werden möchten, unser bestes thun, vornehmen und verrichten wolle, gleich wir persönlich zugegen, solches selber thun könnten. Zu welchen allen sonsten, da er eines mehreren Gewalts des hierin begriffenen sein sollte, wir ihm den selben hiermit jetzt als den cum potestate substituendi, substitutionem renovandi wollen gegeben und was er also gethan auch versprochen und gehandelt, solches unverbrüchlich genehm, ratum et gratum auch ihn desfalls schadlos zu halten und alle Unkosten zu erstatten uns verpflichtet halten.

Urkundlich wir diese …“

[ es folgen die Unterschriften]

Quelle: Eberhard von Alemann, Geschichte des Geschlechtes von Alemann, Magdeburg 1909, S.182 f.